Befragung hegemonialer Strukturen. Entwicklung der Freien Theater – und Performanceszene in Berlin seit den 1990er Jahren

Datum: Dienstag, 5. November 2013, 19. 00 Uhr

Ort: KuLe Theater, Auguststraße 10, 10117 Berlin

Gäste: Aenne Quiñones (stellvertretende künstlerische Leiterin des HAU)
Tone Avenstroup, Janine Eisenächer, Anja Ibsch (Vertreterinnen des Performer Stammtisch)

Eintritt frei.

Bei den aktuellen Debatten unter Berliner Kulturproduzent_innen fällt auf, dass – vielleicht zu selten? – bereits Gemachtes, Gedachtes, Praktiziertes aufgerufen und als Wissen weitergegeben wird. Seit den 1960er Jahren thematisieren künstlerische Praxen zunehmend Bedeutungszuweisungen und Repräsentationsmodi von Kunst. Es gilt Modelle zu erproben, die antihegemoniale, diskursive Räume für differenziertere Öffentlichkeit(en) produzieren. Damit einhergehen kollektive und hybride Produktions-, Vermittlungs- und Distributionsformen, die als künstlerische Formate die Bedingungen und Ausschlussmechanismen der etablierten bürgerlichen Kulturinstitutionen, des Kunstmarktes und des urbanen Raums hinterfragen und überschreiten. Mit dem Vorteil des historischen Abstands will Formate des WIR zurück- und auf Berlin blicken.

Der vierte Teil der Veranstaltungsreihe widmet sich den (anti-)institutionellen kollektiven Arbeitspraxen von Performerinnen und Performern in Berlin ab Mitte der 1990er Jahre.

Im ersten Teil des Abends wollen wir in einem Dialog mit der Kuratorin und Dramaturgin Aenne Quiñones erörtern, unter welchen politischen Rahmenbedingungen damals agiert und produziert wurde. Welche Förderinstrumentarien gab es und welche verschwanden? Wie hat sich die Freie Szene in diesen Jahren entwickelt? Welche „Formate des Wir“ haben sich gebildet? An welchen Orten? Welche davon sind heute noch aktiv und warum sind andere verschwunden?

Aenne Quiñones ist seit September 2012 stellvertretende künstlerische Leiterin des HAU Hebbel am Ufer in Berlin. Sie hat 1996 das Festival „reich&berühmt“ am Berliner Podewil mitinitiiert. Am Podewil entwickelte sie von 1997 bis 2002 als Mitglied des künstlerischen Leitungsteams das Programm im Bereich Theater/Performance.

Im zweiten Teil der Veranstaltung werden sich die drei Performerinnen Tone Avenstroup, Janine Eisenächer und Anja Ibsch in einem speziell für die Veranstaltung entwickelten Gesprächsformat den unterschiedlichen Organisationsformen, den Formaten des Öffentlichwerdens, den personellen Konstellationen und Zusammenarbeitsphasen des informellen Performancekünstler_innen-Netzwerks „Performer Stammtisch“ seit seiner Gründung in den Jahren 2002/03 widmen. Dabei werden sie Fragen nach dem Wir bzw. den Wirs, die es innerhalb des Performer Stammtischs gab, gibt oder auch nicht, aufwerfen. Was sind diese Wirs in Relation zu Begriffen wie Gruppe und Kollektiv und wie un-einig ist dieses Wir? Warum sind Erschöpfung und Enttäuschung oft Teil dieser Wir-Erfahrung, trotz vorhandener Solidarität und Verantwortung in der Selbstorganisation miteinander?

Arbeitsgruppe Formate des WIR der nGbK – neue Gesellschaft für bildende Kunst:
Matze Einhoff, Heimo Lattner, Achim Lengerer, Annette Maechtel, Miya Yoshida


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fdw4 DT WEB



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